Prüfung ohne Machtspielchen
Shownotes
Wer prüft, hat Macht. Und damit Verantwortung. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir Menschen auf ihre Fehler reduzieren oder ihnen die Möglichkeit geben, zu zeigen, was sie gelernt haben. Prüfen ist für uns keine reine Überprüfung der Kompetenz, sondern ein wichtiger Teil des Lernprozesses.
In unserer Trainerausbildung besteht die Abschlussprüfung aus drei Elementen: der Konzeption eines mindestens zweitägigen Trainings, einem theoretischen Test und einer 40-minütigen praktischen Trainingssequenz. Gerade die praktische Prüfung bietet eine besondere Chance: Alle erleben unterschiedliche Trainingsansätze, lernen voneinander und bekommen Anregungen für die eigene Arbeit.
Aber wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Menschen trotz Nervosität ihre Fähigkeiten abrufen können? Wir sprechen darüber, warum wir die Teilnehmenden ihre Prüfungsreihenfolge mitbestimmen lassen, wie wir mit Prüfungsangst umgehen und weshalb wir während der praktischen Prüfung ganz bewusst außerhalb der Gruppe sitzen.
Fairness bedeutet für uns nicht, die Anforderungen zu senken. Eine absolvierte Ausbildung ist noch keine Garantie für ein Zertifikat. Wir tragen zu Fairness bei durch transparente Erwartungen, einen klar abgegrenzten Lernstoff und eine Prüfungssituation, in der niemand erraten muss, was die Prüfenden wohl hören wollen.
Besonders wichtig ist uns die Selbstreflexion. Wer im Training merkt, dass die ursprüngliche Konzeption nicht mehr zur Situation passt, sollte den Plan verändern. Entscheidend ist, das eigene Handeln bewusst wahrzunehmen, Entscheidungen zu begründen und daraus zu lernen. Und beim Feedback fragen wir uns: Welcher Hinweis hilft diesem Menschen am meisten auf seinem weiteren Weg als Trainer:in?
Wir richten den Blick auch über die Trainerausbildung hinaus. Prüfungen schaffen Verbindlichkeit und können das Lernen intensivieren. Kleine Wissenstests, konkrete Projektaufgaben oder Präsentationen vor der Geschäftsführung können auch in Entwicklungsprogrammen dafür sorgen, dass Lerninhalte noch sicherer angewendet werden.
Unserer Meinung nach lohnt es sich, Prüfungen in der Lernarchitektur neu zu betrachten: nicht nur als Abschluss, sondern als bewussten Lern- und Transfermoment.
Viel Spaß beim Reinhören!
Inspirierende Minuten wünschen Dir
Sabine und Jürgen
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Redaktion und Produktion: Sabine Venske-Heß und Jürgen Schulze-Seeger
Musik, Sprecher, technische Unterstützung: Felix Müller, hejfelix.com
Fotos: Uwe Klössing, personalbrandingcompany.de
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Ergänzendes Material
BDVT-Zertifizierung – die im Gespräch erwähnte Zertifizierung im Rahmen unserer Trainerausbildung
SessionLab – digitales Tool zur Trainingskonzeption
Mentimeter – beispielsweise für kleine Wissenschecks und Quizfragen in Lernprogrammen
Episodenbeschreibungen und Kapitel sind KI-generiert.
Transkript anzeigen
00:00:01: Sabine: Also, du willst mit mir über den Papst sprechen, heute.
00:00:04: Jürgen: Und jetzt möchte ich natürlich supportend sein.
00:00:05: Sabine: Er wird mir später noch dankbar sein
00:00:07: dafür, dass ich so klare Worte gewählt habe.
00:00:10: Jürgen: Wir sind in normalen Trainingsaugenblicken
00:00:12: auch immer wieder aufgeregt, wenn es um was geht.
00:00:16: Sabine: Und du weißt ganz genau, er hat
00:00:16: irgendwas gesehen, er sagt's aber nicht.
00:00:18: Jürgen: Mein Gesicht sieht manchmal aus, als würde ich das
00:00:20: gerade kacke finden, aber ich bin einfach nur konzentriert.
00:00:25: Sprecher: Learn, Unlearn, Repeat: Der Podcast für alle,
00:00:28: die das Lernen leichter und das Verlernen schneller machen wollen.
00:00:34: Mit Sabine Fenzke-Hess und Jürgen Schulze-Seger.
00:00:41: Jürgen: Bonjour, Jürgen.
00:00:43: Sabine: Oh, bonjour, Sabine. Ça va, toi?
00:00:45: Jürgen: Oui, ça va bien, ça va bien. Ich habe begeistert mitverfolgt,
00:00:48: wie eine sehr, sehr gute Freundin von mir zeitgleich mit dem Papst
00:00:52: in Paris war. Sie haben sich aber nicht bei Céline Dion getroffen.
00:00:56: Sabine: Ach, komm.
00:00:58: Jürgen: Da musste ich gerade dran denken.
00:01:00: Sabine: Ich glaube, der Papst ist nicht so ein Céline-Fan.
00:01:02: Jürgen: Ich habe auch den Eindruck. Oder er hat sich einfach nicht
00:01:04: getraut, weil dann das Stadion hätte geleert werden müssen,
00:01:07: aus Sicherheitsgründen. Dann war er freundlich genug,
00:01:10: zu sagen: "Nee, das machen wir mal nicht." Aber das ist —
00:01:13: Sabine: Also, du willst mit mir über den Papst
00:01:14: sprechen, heute. Das ist ein tolles Thema.
00:01:17: Jürgen: Ich wollte das gerade sehr deutlich umlenken,
00:01:20: genau darüber nicht, sondern tatsächlich über etwas,
00:01:23: was uns jetzt in nächster Zeit auch wieder bevorsteht und
00:01:27: worauf wir uns sehr freuen, nämlich Prüfungen abnehmen.
00:01:32: Sabine: Oh ja. Und zwar Trainerprüfungen.
00:01:35: Jürgen: In dem Fall Trainerprüfungen.
00:01:36: Sabine: Die DVT-Dings.
00:01:37: Jürgen: Richtig, die BDVT-Zertifizierung. Und abgesehen mal davon,
00:01:40: dass ich jetzt schon anfange, Tränchen zu produzieren, wenn ich daran denke,
00:01:45: dass das dann immer die letzte Runde mit unserer Gruppe ist.
00:01:50: Aber da will ich gar nicht hin, sondern ich will dahin, zu sagen,
00:01:53: was wir, also dass wir wirklich austauschen, was haben wir für
00:01:57: Erfahrungen damit gemacht, wie es zumindest hoffentlich gelingt oder
00:02:01: dazu beiträgt, dass diese Prüfungssituation einerseits so fair ist,
00:02:04: dass es halt wirklich auch eine Prüfung ist, also eine Überprüfung
00:02:08: der Fähigkeiten, dessen, was da bis dato erreicht worden ist.
00:02:12: Dass es auch klar ist: So ein Zertifikat ist eben nicht eine Sicherheit,
00:02:16: wenn man so eine Ausbildung absolviert hat, sondern es kann schon sein,
00:02:20: dass in dem Prüfungsmoment dann auch der Beschluss fällt:
00:02:24: Nein, in dem Fall ist das für uns nicht zertifikatsvergebend.
00:02:29: Und dass wir gleichzeitig immer wieder eine Atmosphäre schaffen,
00:02:32: wo klar ist: Ich habe Zugriff auf meine Ressourcen.
00:02:35: Also ich bin nicht dermaßen in die Nervosität zusätzlich reingetrieben,
00:02:39: dass ich das, was eigentlich da ist, gar nicht abrufen kann.
00:02:44: Das ist mein Thema heute. Was denkst du?
00:02:46: Sabine: Ja, cool. Das ist cool. Ich habe sofort ein Zitat von einer sehr
00:02:50: berühmten Trainerausbilderin, mit der ich auch gerade in einem Podcast bin,
00:02:54: die immer gesagt hat: "Die Prüfung selbst ist Teil der Ausbildung."
00:02:59: Also ich finde, man lernt in diesem letzten Teil, also wenn
00:03:02: auch die Teilnehmenden gegenseitig ihre Meisterstücke vorstellen,
00:03:06: lernt man nicht nur durch das, was man bei den anderen sieht, sondern auch,
00:03:10: weil man eine Form der Vorbereitung auf den Punkt gewählt hat, die ja
00:03:14: eine ziemlich gute Praxissimulation ist. Also natürlich sind wir auch vor
00:03:18: Trainings aufgeregt, sind wir auch manchmal, wenn es ein Erstauftrag ist,
00:03:22: bei einem Kunden aufgeregt, weil wir "liefern wollen" in Anführungszeichen
00:03:26: und unser Bestes abrufen wollen. Deswegen: Die Aufregung gehört mit dazu.
00:03:32: Und ich finde, ehrlich gesagt, wir haben, seitdem wir Prüfungen
00:03:36: haben, hat die ganze Ausbildung eine andere Ernsthaftigkeit.
00:03:40: Also jetzt nicht nur, weil dahinter zwei Zertifizierungen stehen,
00:03:44: sondern weil von vornherein auf etwas Bestimmtes hin zugearbeitet wird.
00:03:49: Und das schafft eine Fokussierung bei den Teilnehmenden, aber auch
00:03:54: bei uns Ausbilderinnen, die hilfreich ist, weil man das nicht so:
00:03:58: "Na ja, kann ich ja nach der Ausbildung dann machen."
00:04:02: Oder, und jetzt gerade in dem Konzeptionsteil zum Beispiel,
00:04:06: diese regelmäßigen Check-ins: "Wie weit seid ihr?", lässt die Leute
00:04:11: dranbleiben und auch ein Gefühl entstehen: Ah, so ist diese Arbeit,
00:04:15: wenn man von der Auftragsklärung über die Konzeption bis hin zur Durchführung geht.
00:04:22: Und ich bin deswegen sehr glücklich mit dem Umstand,
00:04:25: dass es am Ende eine Prüfung gibt, auch wenn ich weiß,
00:04:28: was das für manche Menschen bedeutet. Und wir tun ja alles dafür,
00:04:33: damit das nicht eben so wie Prüfung rüberkommt, obwohl es —
00:04:37: Jürgen: Da können wir gleich noch mal drauf gucken.
00:04:39: Sabine: Ja, obwohl es im Setting, also es gibt so einen Teil davon,
00:04:41: ist dann das einzige Mal, dass wir mit unseren Tischen hinter
00:04:44: der Gruppe sitzen, damit wir gleichzeitig im Session Lab
00:04:47: schauen können und mitschreiben können, all diese Dinge.
00:04:50: Und das hat schon so ein bisschen was von Prüfung. Ich
00:04:53: Jürgen: stopp dich mal ganz kurz, weil ich gerade denke, ich glaube,
00:04:55: wir sollten unseren Hörerinnen und Hörern einmal kurz skizzieren,
00:04:58: wie unsere Prüfung überhaupt aussieht, also worüber wir hier reden, weil —
00:05:01: Sabine: Das wisst ihr doch.
00:05:02: Jürgen: Ja, genau. Ihr seid ja alles
00:05:03: diejenigen, die die mal gemacht haben.
00:05:05: Aber wenn, also wir nehmen die ja als Beispiel, zu sagen:
00:05:08: Generell gibt es natürlich auch unterschiedlichste Arten von Dingen,
00:05:11: die abgeprüft werden in solchen Momenten. Aber bei uns ist halt der Dreiklang,
00:05:16: dass du zum einen eine Konzeption erstellst im Laufe der Ausbildung,
00:05:19: die an der Stelle testing genau angeschaut wird, über in dem Fall
00:05:23: ein mindestens zweitägiges Training, was du selber konzipiert hast.
00:05:27: Das heißt, die konzeptionelle Arbeit inklusive Ergebnissen von
00:05:31: Auftragsklärung und Co. werden da von uns einmal gegengecheckt und
00:05:35: mit einem Feedback belegt. Dann haben wir den Teil, der am wenigsten
00:05:39: ins Gewicht fällt, aber auch einen kleinen Popotritt sozusagen
00:05:43: liebevoller Art herbeiführt, nämlich diese theoretische Prüfung.
00:05:48: Also wir gucken auf Themen, die im Rahmen von Personalentwicklung und
00:05:52: in unserem Feld fallen, in Gesprächen auf Messen oder bei Auftraggebenden,
00:05:57: und wo es cool ist, wenn man zumindest einsortieren kann:
00:06:01: Was meint denn der Mensch mit der Frage: "Sagen wir mal,
00:06:05: sind wir jetzt unten im U oder was glauben Sie eigentlich?"
00:06:10: Und das dritte und hauptsächliche Element ist die praktische Prüfung,
00:06:14: wo man einen Ausschnitt aus diesem zweitägigen konzipierten Training
00:06:18: durchführt mit der Gruppe und eine 40-minütige Passage hat, die du halt
00:06:22: wirklich selbst leitest. Und das ist dieser Moment, den du gerade meintest,
00:06:26: den ich auch immer wieder echt schräg finde aus unserer Perspektive.
00:06:31: Wir sitzen dann am Tisch, ne?
00:06:33: Sabine: Ich würde noch erzählen, dass wir so
00:06:34: ein bisschen höher sitzen als die Teilnehmenden.
00:06:37: Jürgen: Ja, genau.
00:06:38: Sabine: Und dann, aber es geht einfach technisch
00:06:40: nicht anders und man braucht diesen Außenblick.
00:06:45: Jürgen: Ja, und nicht nur technisch, ne? Wir haben ja
00:06:47: immer wieder auch die Erfahrung gemacht und eine Bestätigung
00:06:50: dafür gekriegt, wie wichtig das ist, dass irgendwie klar ist:
00:06:54: Wir sind nicht Teil der Gruppe, damit nicht die Idee entsteht.
00:06:58: Alles, was wir fragen, sagen, wie wir gucken, keine Ahnung, seien irgendwelche
00:07:02: versteckten Hinweise auf: "Ey Mensch, ändere folgendes" oder irgendwelche schon
00:07:06: Feedbacks, die abgelesen werden, von Begeisterung bis zu kritischer Skepsis.
00:07:11: Und dass wir in der Zeit, wo wir da sitzen, denken wir drüber nach,
00:07:14: was wir sehen, gucken, wie wir das in eine besprechbare Form kriegen,
00:07:18: notieren uns Feedbacks, und zwar sowohl gute als auch die, wo wir sagen:
00:07:22: "Ey, das ist jetzt noch ein nächster Schritt für dich."
00:07:26: Und insofern sehen unsere, also insbesondere mein Gesicht,
00:07:29: wir wissen ja, dass ich einen RBF habe, einen Resting Bitch Face.
00:07:32: Mein Gesicht sieht manchmal aus, als würde ich das gerade kacke finden,
00:07:36: aber ich bin einfach nur konzentriert und denke drüber nach,
00:07:39: wie ich das gut hinterher in Worte verpacken kann, zum Beispiel.
00:07:43: Deswegen ist diese Positionierung bewusst außerhalb der Gruppe,
00:07:46: damit wir gar nicht so oft angeguckt werden. Das ist immer die
00:07:49: Hoffnung, ja, dass man uns irgendwie hinten komplett vergisst.
00:07:52: Am liebsten würde ich hinter so einem Spiegel sitzen wie —
00:07:55: Sabine: Also natürlich könnten wir auch einen guten Innen- und
00:07:57: wir könnten wir auch eine gute Innensicht haben, wenn wir selbst
00:08:00: teilnehmen, weil wir dann fühlen, was die Teilnehmenden fühlen.
00:08:03: Aber wir können eben nicht, also ich nicht, ich kann
00:08:05: nicht gleichzeitig beobachten und Teil dessen sein.
00:08:08: Ich habe es leider auch in der Vergangenheit ab und zu mal bei
00:08:11: mir selbst beobachtet, dass, obwohl ich nicht Teil der Gruppe war,
00:08:15: war ich so mitgerissen, dass ich vergessen habe, mir Notizen zu machen.
00:08:19: Und das soll eben möglichst wenig passieren.
00:08:22: Jürgen: Ja, total. Und dadurch, dass dieses Setting so ist, passiert das,
00:08:25: was du gesagt hast. Das wird es halt wirklich, es ist eine geniale Chance,
00:08:30: mal in Trainings von den ganzen anderen Menschen, also diesmal haben
00:08:33: wir neun Prüflinge, in acht anderen Trainings live mit drin zu sitzen.
00:08:39: Wie oft haben wir das später, dass wir uns das wirklich gönnen,
00:08:43: einfach mal als Person, die da mitmacht, zu erleben, wie andere Menschen
00:08:48: die Anleitungen reingeben, wie die Dinge transportieren. Das ist genial.
00:08:53: Und insofern ist dieses Mitlernen durch das Praktische natürlich
00:08:56: nochmal anders, als wenn du jetzt, keine Ahnung, wenn ich an meine
00:08:59: Ausbildungsprüfung zurückdenke: "Ja gut, da habe ich für mich selber
00:09:03: irgendwelche Antworten auf ein Blatt Papier gekritzelt." Und da hat
00:09:06: jetzt nicht unbedingt jemand anders irgendeinen Effekt davon gehabt,
00:09:09: zu sehen, was ich für Blödsinn schreibe und selber zu lernen
00:09:12: aus meinen Fehlern oder sonst irgendwas. Es ging halt nicht.
00:09:16: Das ist hier in den Live-Prüfungen natürlich
00:09:17: eine coole zusätzliche Möglichkeit, finde ich.
00:09:21: Sabine: Ja, stimmt.
00:09:23: Jürgen: Und ich finde immer auch dieses Schaffen von
00:09:25: Rahmenbedingungen, was du schon angesprochen hast,
00:09:28: was tragen wir oder womit versuchen wir dazu beizutragen,
00:09:31: dass wirklich die Aufregung sich in dieser Balance hält.
00:09:35: Ich fand das nochmal wichtig, dass du das auch einsortiert hast in
00:09:39: dieses "Hey Moment, wir sind in normalen Trainingsaugenblicken
00:09:42: auch immer wieder aufgeregt, wenn es um was geht."
00:09:46: Das ist vielleicht das erste Mal, dass ich dieses Training mache.
00:09:49: Es ist ein Training, was mir am Herzen liegt. Meine Güte, wenn ich da
00:09:53: vollkommen entspannt wäre, dann würde ich sagen: "Lass mal gucken, was ist das."
00:09:59: Und gleichzeitig soll eben die Balance so sein,
00:10:02: dass der Zugriff auf meine Fähigkeiten besteht.
00:10:06: Und ich würde gerne mit dir mal sammeln, weil ich glaube,
00:10:08: wir machen vieles ehrlicherweise gar nicht mehr bewusst,
00:10:10: weil wir schon lange irgendwie was dafür tun. Und das soll
00:10:13: keinerlei Selbstbeweihräucherung sein, sondern eher so ein —
00:10:16: Sabine: Ich habe gar kein Bewusstsein eigentlich.
00:10:18: Jürgen: Sowieso nicht, das weiß ich. Aber ich wollte so tun, als ob.
00:10:21: Weißt du, für die Hörerinnen und Hörer habe ich gedacht,
00:10:24: ich fake das mal mit dir, für dich. Dass wir mal zusammensammeln,
00:10:28: weil ich wirklich glaube, wir brauchen einander da, um nochmal
00:10:32: in Erinnerung zu rufen: Was sind so Dinge, von denen wir denken,
00:10:36: dass es positiv dazu beiträgt, dass dieser Zugriff irgendwie
00:10:40: möglich bleibt? Das Dahinter-Sitzen ist schon mal eins für mich.
00:10:44: Sabine: Das ist eins definitiv. Und oh Gott, wenn ich das jetzt verrate,
00:10:48: kann es sein, dass es beim nächsten Mal nicht mehr so wirkt.
00:10:53: Jürgen: Dann dürfen wir das nicht rausgeben, bevor diese jetzige
00:10:55: Prüfung stattfindet. Oh verdammt, werden wir aber. Oh weia.
00:10:58: Sabine: Okay. Das ist dir vielleicht schon aufgefallen, dass ich dieses
00:11:02: Prüfungsding manchmal so karikiert übertreibe, dass klar ist, dass das
00:11:07: nicht ernst gemeint ist. Also dieses so Fingerspitzen aneinandertippen
00:11:13: und "ja, der nächste bitte", damit klar ist: Wir haben hier Spaß.
00:11:18: Und nicht auf Kosten von irgendjemandem, sondern einfach, weil wir finden das
00:11:23: wichtig, dass man das beweist oder ablegt, dass man was gelernt hat.
00:11:29: Es geht ja hauptsächlich auch um dieses Vorher-Nachher.
00:11:32: Wir wollen in den Prüfungen sehen, dass diese neun Monate, die wir
00:11:36: miteinander verbracht haben, dass die etwas bewirken, was nachhaltig ist.
00:11:40: Und ich gucke ehrlich gesagt auch während der Prüfung, auch wenn es jetzt
00:11:44: schon das nächste Thema ist, aber ich gucke während der Prüfung eher darauf:
00:11:49: Wenn ich jetzt nur noch ein Feedback geben darf für diesen Menschen,
00:11:53: der danach wahrscheinlich 10, 20 Jahre im Trainingsgeschäft ist,
00:11:57: was wäre das, was ich am ehesten formulieren würde?
00:12:01: Und dass man deswegen nochmal das eher noch als eine weitere
00:12:05: Möglichkeit, ein Feedback zu bekommen, begreift, als jetzt so:
00:12:09: "Ich werde jetzt ge-judged und beurteilt und dann kommt vor allem,
00:12:14: das ist immer das Schlimmste ja an Prüfungen, wenn Leute so ein
00:12:19: Ego-Ding dann daraus machen." Und da im Vorfeld auch mal hinzufühlen,
00:12:24: wer hat Prüfungsangst erstmal, das ist ja was ganz Irrationales.
00:12:30: B, was brauchst du, um dich gut zu fühlen an dem Tag, auch wann
00:12:34: an dem Tag möchtest du das gerne machen? Wer soll dabei sein?
00:12:37: Man darf bei uns die Teilnehmer railen, also man kann denen sagen:
00:12:42: "Du sagst mal an der Stelle das, weil du jetzt nicht in einem echten Training
00:12:47: dabei warst, aber ich brauche dann das als Hook für meine nächsten Ansagen."
00:12:52: Also die dürfen alles tun, um das so zu gestalten, dass wir einen Eindruck kriegen:
00:12:56: Wie trainiert dieser Mensch? Und diese Freiheit führt dann dazu,
00:13:00: dass es eben sich nicht so wie Prüfung anfühlt, weil diese ganzen
00:13:03: Spielchen, irgendwann muss ich mal ein Buch über Prüfer schreiben.
00:13:07: Das sind meistens leider die Kerle, die zu unmöglich sich verwalten.
00:13:13: Jürgen: Oh ja, da können wir auch gleich nochmal reingehen.
00:13:15: Sabine: Fahrprüfung oder sowas, was die denn hier anmachen.
00:13:17: Jürgen: Oh ja, oh ja, unsere eigenen Erlebnisse. Oh, da ploppt was auf.
00:13:19: Ich gehe nur kurz mal rein, damit ich das nicht verliere, weil du
00:13:22: gerade schon aufgezählt hast, dieses sich aussuchen, wann bin ich dran.
00:13:26: Das finde ich, ist ein Aspekt, der ist zu betonen, weil es gibt so Sachen,
00:13:30: wo du weißt: "Ey, nach der Mittagspause bin ich durch." Oder wenn ich
00:13:34: ganz am Ende dieser Abläufe dran bin, dann werde ich wahnsinnig.
00:13:38: Oder die Erste zu sein, der Erste ist für mich Horror.
00:13:42: Und das ist dann alles steuerbar. Und ich glaube,
00:13:44: das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt dabei.
00:13:47: Und diese Möglichkeit zu sagen, ich briefe sozusagen Teilnehmende,
00:13:50: das wirkt vielleicht ein bisschen ulkig, weil man sagt:
00:13:52: "Na ja, es geht jetzt nicht darum, meine eigene Prüfung zu faken,
00:13:56: sondern schreibe ich ein Drehbuch und dann haben die alle ihren
00:13:59: einen Satz und dann sagen sie, was ich gerne hören möchte."
00:14:02: Sabine: Das ist eine sehr gute Übung.
00:14:04: Jürgen: Genau, sondern es geht darum, dass natürlich manchmal fachliche
00:14:07: Aussagen in jeder Gruppe kommen würden, die aber jetzt diese Gruppe gar
00:14:10: nicht produzieren kann, weil sie halt nicht in diesem Fachlichen drinsteckt.
00:14:14: Und gleichzeitig ist das auch was, was wir immer wieder sagen:
00:14:17: Es geht um das, was da passiert gerade. Und wenn dann jemand
00:14:20: eben auch in dem Teilnehmerkreis ist, ist ja auch eine Challenge.
00:14:24: Ich will den da vorne ja unterstützen. Wir haben eine Ausbildung zusammen
00:14:27: gemacht, wir haben ganz tolle Dinge aneinander entdeckt und jetzt möchte
00:14:31: ich natürlich supportend sein. Und dann ist auch eine Gefahr, dass ich eine
00:14:35: Frage zwar spüre und merke: Ich weiß jetzt eigentlich gerade gar nicht,
00:14:39: was der Mensch da vorne meinte mit dem, was sie oder er gesagt hat.
00:14:42: Aber ich schlucke das mal, weil das könnte ja peinlich sein.
00:14:46: Davon raten wir total ab, weil das spürbar wird für den Menschen da vorne.
00:14:50: Und das irritiert viel mehr, dass ich irgendwie den Eindruck habe,
00:14:53: irgendwer ist da gerade komisch drauf, als dass ich die Frage
00:14:56: gestellt bekomme. Und diesen natürlichen Flow sozusagen,
00:14:59: der auch in einem normalen Training entstehen würde,
00:15:02: wenn der zustande kommt, das ist immer total cool, finde ich.
00:15:07: Sabine: Finde ich auch.
00:15:08: Jürgen: Und du warst gerade schon bei eigenen Prüfungserfahrungen.
00:15:10: Erzähl mal, was waren so deine gruseligste Prüfungserfahrung?
00:15:13: Sabine: Also die Person des Prüfers, der Prüferin,
00:15:15: bei uns sind ja dann auch immer vom Verband Prüferinnen mit dabei
00:15:19: und die machen einen ganz tollen Job, weil die sehr nahbar sind.
00:15:23: Also man spürt, ich bin eine von euch und ich bin nicht anders als ihr.
00:15:27: Und das steht eigentlich, also bisher, ich kann wirklich alle in einen
00:15:32: Topf werfen, die wir schon hatten bei uns in der abnehmenden Prüfung.
00:15:36: Das ist eher so die Freude darüber, dass da noch weitere Leute in
00:15:40: diesen wundervollen Beruf gehen, als dass es jetzt so darum gilt,
00:15:44: so eine Membran dazwischen zu ziehen und das möglichst schwierig zu machen,
00:15:49: um sich dann selbst aufzuwerten. Das ist ja der Mechanismus von
00:15:53: Prüfern immer, dass die dann ihr Ego daran abarbeiten, weil sie sagen:
00:15:57: "Ja, guck mal, ich habe diesen Schein und du noch nicht und jetzt zeig mal,
00:16:02: was du drauf hast." Und wenn ich in so einer Prüfung bin und sowas spüre
00:16:06: bei meinem Prüfer, ob das jetzt Segeln, Tauchen oder sonst irgendwas ist,
00:16:10: hatte ich viel Glück bei solchen Sachen. Klettern, Fahrprüfungen, alles Mögliche.
00:16:16: Jürgen: Echt? Oh, wie cool.
00:16:17: Sabine: Aber wenn dann einer so kommt und das so ausspielt,
00:16:21: dann gehe ich meistens sofort in den Narrenmodus
00:16:25: und der kriegt so sein Fett ab, ohne dass er es merkt,
00:16:30: weil ich das fürchterlich finde, wenn Menschen sowas tun.
00:16:35: Jürgen: Also mir ist der Narrenmodus mal sehr im Hals stecken
00:16:37: geblieben und zwar bei meiner Fahrprüfung für den Führerschein.
00:16:43: Und mein Fahrlehrer hat hinterher tatsächlich auch gesagt, bei dem Prüfer,
00:16:47: den er ja häufiger erlebt, ist das so eine Tagesformabhängigkeit.
00:16:52: Es gibt Tage, an denen der offensichtlich so schlecht selbst drauf ist,
00:16:56: dass er diese Selbsterhöhung braucht und damit das eben auf die fahrenden
00:17:01: Lernenden beziehungsweise Gelernthabenden irgendwie rüberbringt.
00:17:06: Also seine Worte waren beim Übergeben der Pappe: "Na ja, wenn Sie das auf
00:17:11: die Weise weitermachen, werden Sie eh nicht lange Freude dran haben."
00:17:18: Sabine: Toll, schön. Danke für diesen Spruch.
00:17:20: Jürgen: Fand ich auch.
00:17:21: Sabine: Also entscheiden Sie sich jetzt,
00:17:21: mir den Führerschein zu geben oder nicht?
00:17:23: Jürgen: Ja, so in etwa. Ich bin ja dann sehr leicht im Trotz.
00:17:25: Es lag ganz vorne auf meiner Zunge zu sagen: "Steckt ihr das Ding sonst
00:17:29: wohin?" Aber habe ich nicht. Und es war halt vorher schon im Prüfen selbst.
00:17:34: Also ich kann ja sein, dass man da Fehler macht und das wäre
00:17:36: auch völlig okay, wenn er mir das dann sagt und wenn er sagt:
00:17:39: "Ey Mädel, du bist da wirklich gefährlich unterwegs." Aber
00:17:42: in diesem Fall hatte ich den Eindruck, dass er das auch
00:17:45: ganz gerne so wollte, dass er das am Ende sagen kann.
00:17:49: Und das ist ja auch ein Machtding. Wir sitzen da und
00:17:52: haben eine gewisse Macht und wenn das die Verlockung dazu,
00:17:55: da die irgendwie auszuspielen und sich selber die Geschichte
00:17:59: zu erzählen, ich mache das nur aus Gründen der Fairness, damit
00:18:03: die Leute auch wirklich lernen, ich muss diesen Beruf schützen.
00:18:07: Sabine: Er wird mir später noch dankbar sein
00:18:08: dafür, dass ich so knappe Worte gewählt habe.
00:18:12: Jürgen: Ja, herrlich, genau. Also jedes Narrativ, was man sich da selber erzählt,
00:18:16: um zu begründen, dass das total richtig ist, so drauf zu sein, funktioniert.
00:18:21: Aber ja, die Freude, also wie du sagst, bei uns sitzt ein Prüfer
00:18:26: drin, der auch diese Menschen vorher noch nicht erlebt hat.
00:18:30: Und die Freude zu sehen, dass das auch immer als absolute
00:18:33: Unterstützung transportiert wird, was da kommt, ist super.
00:18:37: Und gleichzeitig ist es ja auch eine totale Evaluation für uns.
00:18:44: Sabine: Inwiefern?
00:18:46: Jürgen: Für mich ist das immer der Blick darauf, vermitteln wir Dinge,
00:18:50: die am Ende irgendwie den Sinn ergeben, dass man sie da anwenden
00:18:54: kann und dass sie dann dazu führen, dass jemand, der weder die
00:18:58: Ausbildung erlebt hat noch vorher diese Personen gesehen haben, sagt:
00:19:02: "Ja, das ist so eine Art von Training, Umgang mit den Menschen,
00:19:07: Transferchance erhöht, die Dinge auf eine effiziente Weise transportiert."
00:19:13: Also alle Elemente, die da eine Rolle spielen,
00:19:15: dass ich sage, ich gebe denjenigen ein Zertifikat.
00:19:17: Das ist für mich auch eine Evaluation unserer Ausbildung.
00:19:20: Sabine: Ja, auf jeden Fall. Ist so. Auf jeden Fall was
00:19:24: sehr Erfüllendes. Ich das noch einmal zu den Prüfern.
00:19:30: Es gibt so eine Art, die die Prüfer dann so drauf haben,
00:19:33: das sind vor allem so Andeutungen. Also die sagen nicht, was sie für
00:19:37: Rückmeldungen haben, sondern die stellen so Fragen: "Was denken Sie denn,
00:19:41: was Sie jetzt hier an der Stelle hätten besser machen können?" Und
00:19:45: du weißt ganz genau, er hat irgendwas gesehen, er sagt es aber nicht.
00:19:50: Und dann erinnert er sich an mein kleines Traum: "Jürgen,
00:19:53: guck mal bitte auf deine Schuhe und dann schau mal meine an.
00:19:58: Was fällt dir auf?" Und ich so: "Ja, was willst du mir
00:20:01: sagen?" Aber ich ahne es, aber ich spiele dann schnell mit.
00:20:06: Nein, das passiert überhaupt gar nicht. Und ich glaube deswegen,
00:20:09: dass man vor Prüfungen, also wie in unserem Fall, hoffentlich
00:20:13: neun Monate darauf hingearbeitet haben, dass die wissen,
00:20:16: da sitzen jetzt nicht so ein Arsch-Jürgen und so eine doofe Sabine.
00:20:21: Jürgen: Doch ganz am Schluss zeigen wir unser wahres Gesicht.
00:20:23: Sabine: Unser wahres Gesicht, genau.
00:20:24: Jürgen: Vorher haben wir uns die ganze Zeit beherrscht
00:20:26: und jetzt darf das endlich mal raus. Ich finde auch bei
00:20:29: schriftlichen Tests, das ist ja auch ganz interessant.
00:20:33: Also wir haben auch immer wieder darüber gequatscht,
00:20:35: was fragen wir da überhaupt und was ist sinnvoll da drin.
00:20:38: Und das ist natürlich in Abstimmung mit dem Verband. Also da geht es
00:20:42: darum, auch zu gucken, was ist etwas, was abgeprüft werden sollte.
00:20:47: Und da kenne ich auch diesen endlosen Kontext, aus dem zu lernen ist,
00:20:51: wo du sagst: "Ich weiß gar nicht, wo ich aufhören soll,
00:20:54: die Dinge jetzt abrufbar in mein Gehirn zu kriegen." Weil das fällt,
00:20:58: wenn wir nur sagen würden: "Du, alles, worüber man so im Kontext
00:21:02: Personalentwicklung und Training reden könnte, da wirst du wahnsinnig."
00:21:08: Und auch das finde ich unterstützend, fand ich schon immer
00:21:10: auch in allen Situationen, wo kognitives Wissen abgeprüft wird,
00:21:14: wenn es eine Begrenzung gibt. Wenn irgendwie klar ist, das ist die
00:21:17: Menge des zu Lernenden. Und daraus wird geprüft, Punkt, Ende, aus.
00:21:21: Sabine: Aus dem Grund gibt es bei uns einen Probetest.
00:21:23: Also man macht diese schriftliche Prüfung, macht man einmal, damit man
00:21:27: ein Gefühl dafür hat, welchen Umfang hat das und welche Wissenstiefe.
00:21:30: Und ich finde, dieses Gefühl ist schon wichtig dafür.
00:21:33: Mir hat es selbst in der Schule früher immer geholfen, wenn wir
00:21:37: einen Probetest geschrieben haben, damit ich so ein Bild davon habe,
00:21:40: was erwartet mich da, auch wenn es dann andere Fragen waren.
00:21:44: Jürgen: Ja. Auch so Menge, komme ich mit einer Zeit klar.
00:21:49: Also gerade diese Form des Prüfens hakt ja voll in unsere Schulerfahrung rein.
00:21:54: Je nachdem, was ich da für Erlebnisse mitgenommen habe,
00:21:58: kann das eben auch wirklich blöde, blöde, blöde Sachen reaktivieren.
00:22:05: Das ist der schriftliche Teil.
00:22:06: Und die konzeptionelle Geschichte, das ist auch ein Thema,
00:22:09: wo ich finde, da geht es wirklich um Weiterentwickeln ausschließlich,
00:22:14: weil auch meine Konzepte, also ich vermute bei dir ähnlich,
00:22:18: ich wüsste nicht, dass ein Konzept nach der zweiten, dritten Durchführung
00:22:22: bei mir jemals eins zu eins identisch mit dem Erstkonzept war.
00:22:27: Sabine: Nee, das ist bei mir anders.
00:22:28: Jürgen: Ah, du ziehst durch. Was du einmal im Session Lab eingetragen
00:22:31: hast, durchgezogen. Weil es ist perfekt. Das ist einfach perfekt.
00:22:35: Ja, das ist halt das Problem bei dir. Es ist einfach nicht mehr steigerbar.
00:22:41: Sabine: Das wäre falsch, das zu verhindern.
00:22:42: Jürgen: Feedback wäre süß, wenn jemand sich da dran ausprobiert
00:22:45: und seine eigene Unwissenheit damit offenbart. Aber ach Gott, genau.
00:22:49: Sabine: Das ist eher verrückt bei mir. Ich schreibe
00:22:51: das Konzept und dann mache ich was ganz anderes.
00:22:56: Jürgen: Auch noch so ein ganz wichtiger Punkt für diese Art von Prüfung,
00:22:58: wie wir sie machen. Manchmal ist das auch so. Also du hast dann in
00:23:01: dieser Konzeption was vorgesehen und dann passiert in dem Moment,
00:23:04: wo du das mit der Gruppe in der Prüfung machst, einfach was anderes.
00:23:07: Ja, so what? Dann schmeiß bitte dein Konzept ein bisschen über die Wuppe.
00:23:12: Dafür ist dann wiederum ein Moment da, den ich sehr schätze in
00:23:15: dem Prüfungsablauf, der auch vom Verband so initiiert ist und den
00:23:18: ich irre wichtig finde, nämlich die Selbstreflexion hinterher.
00:23:21: Dass einfach nochmal wir auch dabei sind, wie derjenige sagt,
00:23:24: wie habe ich das erlebt und dann sagen kann, an der Stelle wusste
00:23:27: ich genau, an und für sich müsste ich jetzt dies und jenes machen,
00:23:31: hat aber für mich keinen Sinn ergeben und deswegen habe ich das
00:23:34: jetzt so verändert und denke drüber nach, das in der Konzeption,
00:23:37: wenn ich da nochmal drauf gucke, vielleicht sogar auch abzuändern.
00:23:41: War ganz gelungen. Oder, nee, würde ich doch,
00:23:42: ich brauche wieder zurückkehren oder was auch immer.
00:23:45: Aber es geht eben darum zu merken, ob jemand auch gleichzeitig noch in
00:23:49: der Lage ist, sich zu beobachten, während diese Geschichte stattfindet.
00:23:53: Und das ist aus meiner Sicht eben eine irre wichtige
00:23:56: Trainerfähigkeit, dass ich permanent auch aus dieser immer so
00:23:59: schönen Metaposition genannten Geschichte wirklich drauf gucke.
00:24:03: Was ist bei mir, was ist bei den anderen, ist der Prozess
00:24:06: in sich gerade und wenn nicht, dann verändere ich ihn.
00:24:11: Sabine: Genau. Ich finde es auf jeden Fall toll, solche Prüfungen zu haben.
00:24:15: Am Ende jetzt mal abgesehen davon, dass man dann abends auch besser
00:24:19: feiern kann, wenn man wirklich was accomplished hat und sagen kann,
00:24:24: so da ist jetzt dieses Zertifikat. Ich stehe ja sowieso auf Badges und also
00:24:28: so Zeichen meiner Kompetenz, indem man mir wirklich auch was Gedrucktes
00:24:33: in die Hand bekommt und vielleicht noch was Symbolisches. Ich mag das.
00:24:39: Jürgen: Ja, und ich fand den Aspekt, den du ganz am Anfang
00:24:42: gesagt hast, wirklich auch nochmal so gestimmt, dass dieses
00:24:45: Lernen dadurch auch geballter innerhalb der Zeit stattfindet.
00:24:49: Also dass ich nicht verschiebe, was ja immer eine Einladung ist,
00:24:53: wenn ich neben meiner normalen Arbeit eine Weiterbildung mache.
00:24:58: Das ist halt echt eine Challenge und irgendwie gucke ich immer,
00:25:01: wo ich mir Zeiten rausangele oder die vorher blocke oder sonst irgendwas
00:25:05: probiere, damit ich das machen kann. Und so habe ich einen klaren Punkt,
00:25:09: bis zu dem ich sage, bis dahin möchte ich das alles erstmal
00:25:13: einmal so weit durchgedacht, durchgefühlt, durchgearbeitet haben,
00:25:16: dass ich das an der Stelle irgendwie auf die Straße bringe.
00:25:21: Wie cool.
00:25:22: Und ich lerne ja gerade so ein bisschen Spanisch vor mich hin
00:25:25: und da gibt es halt gar keinen Punkt, auf den hin ich lerne.
00:25:28: Insofern ist das so ganz nett und ganz lustig, aber so,
00:25:31: ob ich jetzt nur einmal fünf Minuten mache, damit meine App mich
00:25:35: nicht den ganzen Abend nervt und immer wütendere Gesichter zeigt
00:25:38: oder ob ich halt wirklich mal ein bisschen länger da dran bin.
00:25:42: Das ist so irgendwie egal. Und den Unterschied finde ich auch hilfreich.
00:25:48: Sabine: Deswegen braucht man entweder eine Mentorin oder
00:25:51: einen Kurator, irgendjemand, der drauf guckt von Zeit zu Zeit.
00:25:55: Und das ist dann allerdings ein anderes großes Thema, das ich
00:25:59: lustigerweise vorgestern mit einer Kundin von mir besprochen habe.
00:26:05: Wir können uns über KI so geile Lernprogramme schreiben lassen,
00:26:09: mit Content, mit Übungen, mit allem Möglichen. Und dann sage ich, ja,
00:26:13: ich möchte in drei Monaten diesen und jenen Skill erarbeitet haben.
00:26:19: Aber der Grund, warum es dann an vielen Orten nicht passiert, ist,
00:26:22: also wir blocken uns die Zeit dafür und dann ist aber immer irgendwas
00:26:25: Wichtigeres. Aber warum es dann an vielen Orten nicht passiert ist,
00:26:28: ist, dass das Nichtlernen keine Sanktionen mit sich bringt.
00:26:34: Jürgen: Ja. Also das.
00:26:34: Doof eigentlich, oder? Dass wir das brauchen.
00:26:35: Also dass wir Sanktionen einsetzen.
00:26:37: Sabine: Es fällt nicht mal auf, dass wir nicht gelernt haben.
00:26:39: Und egal, mit wem ich spreche in Organisationen, alle wissen,
00:26:43: sie haben diese Angebote, ganz viele haben, ich weiß nicht,
00:26:46: ob das jetzt allmählich mal wieder nachlässt, haben für ihre
00:26:50: Mitarbeitenden die LinkedIn-Lizenzen oder Masterclass-Lizenzen gekauft.
00:26:55: Die sind nicht gerade günstig, aber wirklich tolle Programme.
00:26:57: Also ich bin ein großer Fan von dem Content, der da angeboten
00:27:00: wird und auch den Kolleginnen und Kollegen, die da Formate machen.
00:27:05: Und die Leute nutzen es nicht, weil es halt nicht auffällt.
00:27:09: Es hat keine Resonanz. Und das ist aber ein anderes Thema.
00:27:13: Deswegen kann man aber zumindest über Tests und Prüfungen auch
00:27:17: im Unternehmensalltag tatsächlich das Lernen intensivieren,
00:27:21: weil man dann von Zeit zu Zeit so kleine Beweise und Scheiß,
00:27:25: wenn es nur irgendwie ein Mentimeter-Quiz ist, mal am Ende
00:27:29: des Monats, wer hat es gelernt, dann bringt es schon was.
00:27:35: Jürgen: Ich weiß auch bei einigen der Programme, die wir in Unternehmen
00:27:38: gemacht haben, was für einen Effekt das hatte, wenn klar ist,
00:27:41: ich mache eine Kurzpräsentation zum Beispiel vor der Geschäftsführung.
00:27:45: Mit Ideen, die dort entstanden sind, mit Projekten, die vorher
00:27:48: dort reingeschüttet wurden und gesagt wurden, an denen muss gerade
00:27:52: gearbeitet werden und guckt doch mal, was ihr mit der Inspiration aus dem,
00:27:56: was in dem Trainingsprogramm passiert, da anderes, Neues erschafft.
00:28:01: Und auch das ist natürlich nochmal ein ganz anderer Ansporn und hat
00:28:04: diesen extremen Transferhebel, dass ich immer wieder überlege, warte mal,
00:28:07: Moment, was hat denn das mit dem Projekt zu tun? Was bedeutet das da?
00:28:11: Und genauso ist es hier mit der Konzeption beispielsweise.
00:28:15: Immer wieder sagen zu können, bei jeder Übung, die ich erlebe,
00:28:18: ist das irgendwie auch sinnig für das Thema, was ich gerade so intensiv
00:28:23: in der Konzeption bearbeite. Und insofern finde ich die Wirkung von
00:28:27: Prüfung insgesamt viel größer, als ich das so ehrlicherweise, als ich
00:28:31: hier mein Thema rausbrachte, habe ich darüber gar noch nicht nachgedacht.
00:28:36: Aber das ist ein extremer Punkt zu sagen, wie geil ist das
00:28:39: eigentlich, wenn man so was einbaut. Auch in andere Programme.
00:28:44: Sabine: Vielleicht finden wir irgendwann mal ein besseres Wort als
00:28:48: Test oder Prüfung oder Klausur oder sowas. Irgendwie so Delivery Point.
00:28:53: Keine Ahnung, das muss ein bisschen lecker sein. Delivery Point.
00:28:58: Point of Delivery. Irgendwas, keine Ahnung. Aber dann intensiviert das viel.
00:29:04: Jürgen: Ich habe gerade für einen anderen Kunden etwas
00:29:06: gebaut rund um Formel 1. Da wäre es dann Green Light.
00:29:10: Sabine: Ah ja. Oh, gut.
00:29:13: Jürgen: Nett.
00:29:14: Sabine: Freuen wir uns auf die Prüfungen
00:29:16: und gehen wir in unsere Prüferinnenrollen.
00:29:20: Jürgen: Oh, ja.
00:29:21: Sabine: Der nächste bitte. Name.
00:29:23: Jürgen: Sind Sie sich sicher, dass Sie das
00:29:25: auf diese Weise noch einmal machen würden?
00:29:29: Sabine: Was haben Sie für uns vorbereitet? Schlimm.
00:29:33: Jürgen: In diesem Sinne. Es kommt aber auch darauf an, immer, dass wir
00:29:37: diesen Spruch jetzt hier weglassen, sonst ist der Podcast nicht zu Ende.
00:29:43: Sabine: Es kommt an die Prüfung nämlich auch drauf an.
00:29:45: Jürgen: Das stimmt.
00:29:46: Sabine: Ja. Tschüss.
00:29:48: Jürgen: Vielen Dank und tschüss.
00:29:50: Sabine: Ciao. Ciao.
00:29:56: Sprecher: Das war Lernen, Unlearn,
00:29:57: Sabine: Repeat. Der Podcast für Lernarchitekt*innen.
00:30:00: Jetzt abonnieren, damit du keine Folge verpasst. Sabine und Jürgen freuen
00:30:06: sich über Austausch mit dir. Schreib ihnen an podcast@bridgehouse.de.
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